Nachhaltigkeit – Relevanz für Fördermittelgeber, für Ihre Organisation und für die Gesellschaft

Wer sich mit dem Themenkomplex öffentliche Förderung, Finanzierung und Fundraising – egal, ob von der EU oder aus anderen Quellen – beschäftigt, lernt schnell, dass der Begriff Nachhaltigkeit in diesem Bereich eine sehr viel breitere Bedeutung hat als die im alltagssprachlichen Gebrauch in der Regel damit gemeinte ökologische Nachhaltigkeit.

Die nachhaltige Wirkung von nationalen und internationalen Projekten und Aktivitäten, für die eine öffentliche Förderung beantragt wird, ist eines der entscheidenden Kriterien, um überhaupt einen positiven Förderbescheid aus Brüssel oder von anderen Geldgebern zu erhalten. Viele Förderanträge scheitern daran, dass diesem Aspekt nicht ausreichend Gewicht bei der Entwicklung der Förderprojekte beigemessen wird. Wichtig ist die Beachtung des Themas Nachhaltigkeit von Beginn an, also bereits bei den ersten Ideen zu einem neuen Projekt. Mit dem Tool „Logical Framework Approach“, das wir Ihnen im upgrade2europe Handbuch ausführlich vorstellen, sind Sie in dieser Hinsicht übrigens auf der sicheren Seite.

Warum ist Nachhaltigkeit wichtig für Fördermittelgeber?

Für Geldgeber, ob staatlich als Fördermittelgeber oder privat als Spender:innen bzw. als Stiftungen, ist die nachhaltige Wirkung der von ihnen zur Verfügung gestellten finanziellen Mittel von entscheidender Bedeutung. Nur selten erhält man als Organisation externe Mittel, die allein dazu dienen, beispielsweise den eigenen Geschäftsbetrieb zu finanzieren. Fast immer ist die Vergabe von externen Geldern, die über die gesetzlich geregelte Daseinsvorsorge (Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung, etc.) hinausgeht, an konkrete übergeordnete Ziele geknüpft. Die Politik, ob sie in Brüssel oder in Ihren jeweiligen Ländern ansässig ist, fordert als Gegenleitung für die Vergabe von Fördermitteln von den Empfänger:innen in der Regel einen sichtbaren Beitrag zur Lösung von politischen Problemen oder Herausforderungen, beispielsweise in den Bereichen Wirtschaft (Innovationen, neue Arbeitsplätze etc.), Gesellschaft (Integration von Drittstaatenangehörigen, demokratische Teilhabe etc.) oder Soziales (demografischer Wandel, alternde Gesellschaft etc.).

Wenn Sie diese politischen Ziele im Rahmen der Beantragung von Fördergeldern für Ihre internationalen und nationalen Projekte und Aktivitäten ernst nehmen, dann haben Sie bereits einen zentralen Schritt auf dem Weg zu zukünftigen erfolgreichen Antragsprojekten gemacht. Denn viele Antragsteller legen den Fokus zu sehr auf das Geld für ihr Projekt und zu wenig auf die Wirkung durch ihr Projekt. Wenn Sie diese Denkweise in Ihrer Organisation umkehren und externe Gelder mehr als Mittel zum Zweck, denn als Zweck an sich betrachten, verstehen Sie Nachhaltigkeit so, wie es im Sinne eines angemessenen Umgangs mit – meist aus Steuern finanzierten – Förderungen angemessen ist.

Warum ist Nachhaltigkeit wichtig für Ihre Organisation?

Organisationen, die dem Thema Nachhaltigkeit Gewicht beimessen, handeln mittel- und langfristig erfolgreicher. Schließlich geht es um nichts anderes als die Verwertung der Ergebnisse von Aktivitäten und Projekten in Ihrem eigenen Interesse. Mit dieser Nachhaltigkeitsdimension sind alle Maßnahmen, Aufgaben und Tätigkeiten gemeint, die geeignet sind, um als Organisation auch in Zukunft einen möglichst großen Nutzen aus einer Aktivität bzw. einem Projekt zu ziehen – sei es im Rahmen ihrer internationalen Aktivitäten in Europa oder auch national.

Am Beispiel des upgrade2europe Leadpartners emcra – Co-shaping Europe lässt sich der Nachhaltigkeitsaspekt aus dem Blickwinkel einer Organisation, die öffentliche Fördermittel aus Brüssel für ihre Europäisierung nutzt, veranschaulichen. Schon bei der Beantragung von EU-Fördermitteln wird auf die nachhaltige Wirkung Wert gelegt. Wenn ein öffentlich gefördertes Projekt keinen substanziellen Beitrag zur Umsetzung der Vision, Mission und der strategischen Ziele von emcra verspricht, wird es nicht weiterverfolgt (Stichwort: Projekt Governance).

Bei der Umsetzung von geförderten Projekten steht bei emcra der Nachhaltigkeitsaspekt ebenfalls von Beginn an auf der Agenda, um eine größtmögliche Wirkung für alle Beteiligten zu erzielen. Häufig beschäftigen sich Projektkonsortien erst kurz vor Projektende mit dem Thema Nachhaltigkeit. Dann besteht die Gefahr, dass die Ergebnisse nicht in dem Maße genutzt werden, wie das möglich wäre. Sobald in einem Projekt zum Ende der Projektlaufzeit die zeitlichen, personellen oder finanziellen Ressourcen knapp werden, fokussieren sich einzelne Projektpartner in der Regel schnell auf neue Aufgaben, statt fokussiert im Konsortium an der Nachhaltigkeit der Ergebnisse weiterzuarbeiten.

Zudem sollte man als Organisation bereit sein, über externe Finanzierung hinaus eigene Gelder für die Verwertung von Projektergebnissen bereitzustellen. Zum Beispiel hat emcra in den sieben Jahren, in denen das Ergebnis des Vorläuferprojektes von upgrade2europe online kostenfrei Interessierten zur Verfügung stand, eine fünfstelligen Eurosumme für die Verbesserung und Pflege des Selbstanalyse-Tools von Europeanisation bereitgestellt. Belohnt wird dieses finanzielle Engagement u. a. durch Folgeförderungen, die, wie in diesem Fall, für upgrade2europe sehr viel wahrscheinlicher werden, wenn man auf bereits bestehende und nachweislich wirksame Projektergebnisse aufbauen kann.

Wer in Europa zudem durch gute Projektergebnisse auffällt, wird von anderen Organisationen eingeladen, in deren EU-Projekten eine wichtige Rolle zu übernehmen. emcra hatte dadurch beispielsweise die Gelegenheit, an der Weiterentwicklung von P3.express, einer einfachen und leicht zu adaptierenden Projektmanagementmethode, mitzuwirken, die mittelweile bereits in 26 Sprachen weltweit eingesetzt wird. Im upgrade2europe Handbuch erfahren Sie mehr zu P3.express. Nachweislich führen gute EU-Projektergebnisse bei emcra auch zu zusätzlichen Einnahmen, u. a. im Rahmen einer zertifizierten Weiterbildung zur Digital Manager:in, die auf den Ergebnissen eines EU-Projektes basiert, oder zu mehr Beratungsanfragen, insbesondere im Bereich Inclusive Leadership.

Warum ist der Nachhaltigkeitsbegriff wichtig für die Gesellschaft?

Last but not least ist auch ein umfassenderer Nachhaltigkeitsbegriff für alle durch Dritte finanzierte Aktivitäten und Projekte relevant. Dafür gibt es mehrere Gründe, die an dieser Stelle kurz skizziert werden.
  • European Green Deal: In Europa sollte man an dieser Stelle insbesondere den European Green Deal nennen. Das ist eine Initiative der Europäischen Kommission, die sich für eine nachhaltige Entwicklung in Europa einsetzt. Der European Green Deal wurde im Dezember 2019 vorgestellt und hat das Ziel, Europa bis 2050 klimaneutral zu gestalten. Ohne eine Berücksichtigung der im Green Deal formulierten Ziele wird es in Zukunft schwieriger werden, öffentliche Förderung durch die EU zu erhalten.
  • Sustainable Development Goals – SDGs: Die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) sind eine Reihe von 17 globalen Entwicklungszielen, die von den Vereinten Nationen im Jahr 2015 verabschiedet wurden. In immer mehr EU-Förderanträgen wird explizit nach dem Beitrag der beantragten Projekte zu den 17 globalen Entwicklungszielen gefragt.
  • ESG-Kriterien: ESG steht für Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) und bezieht sich auf die Kriterien, anhand derer Organisationen ihre Leistungen im Hinblick auf Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung bewerten.

Nützliche Links und weitere Informationen

Haben wir Ihr Interesse an dem Thema Nachhaltigkeit von öffentlich oder privat finanzierten Projekten und Aktivitäten geweckt? Die EU und andere Geldgeber halten diverse Möglichkeiten für Sie bereit, um Ihre Aktivitäten in Europa mitzufinanzieren. Zusätzliche Tipps u. a. zum Thema EU-Förderung finden Sie hier . Welche alternativen Geldquellen jenseits der EU von Interesse sein könnten, lesen Sie hier. Wo sie am besten mit Ihrer Fördermittelrecherche beginnen, können Sie hier erfahren.

Weitere hilfreiche Artikel und Tipps finden Sie in diesem upgrade2europe Lern-Tool, in unseren Lernvideos und in unserem upgrade2europe Handbuch. Im Handbuch finden Sie zudem eine Einführung in das Tool „Logical Framework Approach“, dem Standardwerkzeug für die Entwicklung von EU-Projekten. Wenn Sie möchten, können Sie mit Hilfe unseres Selbstanalyse-Tools sofort online überprüfen, inwieweit Ihre Organisation gut aufgestellt für Europa ist.

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