EU-Förderung verstehen - die drei Bereiche der EU-Förderung, die Sie kennen sollten

Die EU verfügt in den Jahren 2021 bis 2027 über ein Gesamtbudget von 1.074,3 Mrd. Euro. Hinzu kommen 750 Mrd. aus dem Corona Sonderfonds „Next Generation EU“. Der größte Teil dieser Gelder wird als EU-Förderung wieder ausgeschüttet.

Es ist gar nicht so schwer, die Struktur der EU-Förderung zu verstehen. Nehmen Sie sich etwas Zeit und tauchen Sie in die EU-Fördersystematik ein. Wenn Sie die drei zentralen Fördersäulen der EU kennen und Ihre Ideen einem dieser Bereiche zuordnen können, dann sind Sie bereits auf einem guten Weg in Richtung erfolgreichem EU-Förderantrag.

Drei zentrale Förderziele der EU

Man kann – etwas vereinfacht – drei zentrale Förderziele der EU identifizieren:

  1. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Organisationen und Unternehmen aus den EU-Mitgliedstaaten wird gefördert, um gemeinsam bessere Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu erarbeiten.
  2. Organisationen und Unternehmen aus der EU werden gefördert, um in Staaten außerhalb der EU zu kooperieren bzw. außerhalb der EU tätig werden.
  3. Die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in allen Regionen der EU wird gefördert. Dabei gehen gezielt mehr Fördergelder in die Regionen, die wirtschaftlich weniger weit entwickelt sind.

Es kommt darauf an, diese Systematik zu verstehen. Dann wird es einfacher, sich einen gangbaren Weg durch den EU-Förderdschungel zu schlagen. Entsprechend der drei vorgestellten Förderziele der EU, können wir drei zentrale Säulen der EU-Förderung unterscheiden.

Die 1. Säule: Brüsseler Aktionsprogramme

Die Säule der „Brüsseler Aktionsprogramme“ beinhaltet bekannte Förderprogramme wie Horizont Europa, Erasmus+, Kreatives Europa, LIFE etc.

Die wichtigsten Charakteristika in diesem Förderbereich sind:
  • Vorrangig werden grenzüberschreitende Projekte innerhalb der EU-Mitgliedstaaten gefördert.
  • Mehrere Organisationen oder Unternehmen arbeiten in europäischen Partnerkonsortien zusammen, i. d. R. mindestens drei Partnerorganisationen aus mindestens drei Staaten.
  • Es gibt überwiegend Wettbewerbsausschreibungen mit einheitlichen Regeln und Vorgaben für das gesamte EU-Gebiet. Die am besten bewerteten Anträge werden gefördert.
  • Förderanträge werden hauptsächlich in Brüssel eingereicht, die Antragstellung kann aber teilweise z. B. auch über sogenannte Nationale Agenturen in den Mitgliedstaaten erfolgen.
  • Die Antragssprache ist überwiegend Englisch, es sind jedoch auch andere Sprachen möglich.
  • Für diese Säule stehen in den Jahren 2021 bis 2027 ca. 218 Mrd. Euro zur Verfügung. 12,5 Mrd. Euro davon stammen aus dem Corona Sonderfonds „Next Generation EU“.

Die 2. Säule: EU als globaler Akteur – Außenhilfeinstrumente

In diesem Bereich finden Sie Förderprogramme wie das Instrument für Heranführungshilfe (Instrument for Pre-Accession Assistance – IPA) oder das Instrument für Nachbarschaft, Entwicklung und internationale Zusammenarbeit (Neighbourhood, Development and International Cooperation Instrument – NDICI / Global Europe).

Die wichtigsten Charakteristika dieses Förderbereichs sind:
  • Es werden Projekte in einem sog. Drittstaat sowie grenzüberschreitende Projekte außerhalb der EU gefördert. Drittstaaten sind alle Länder, die nicht EU-Mitglied sind.
  • In der Regel arbeiten mehrere Organisationen oder Unternehmen aus der EU und aus Drittstatten in Partnerkonsortien zusammen.
  • Es gibt überwiegend Wettbewerbsausschreibungen mit einheitlichen Regeln und Vorgaben für die gesamte EU bzw. für den Drittstaat, der durch die Förderung unterstützt werden soll. Die am besten bewerteten Anträge werden gefördert.
  • Die Antragstellung erfolgt über Brüssel oder im jeweiligen Drittstaat.
  • Die Antragssprache ist überwiegend Englisch.
  • Für diese Säule stehen in den Jahren 2021 bis 2027 ca. 98 Mrd. Euro zur Verfügung.

Die 3. Säule: Nationale Förderfonds

Diese Säule beinhalten bekannte Förderfonds wie zum Beispiel den Europäische Sozialfonds Plus (ESF+) oder den Europäische Fonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (ELER).

Die wichtigsten Charakteristika der Fördermittelvergabe in diesem Bereich sind:
  • Die Förderung erfolgt dezentral, d. h. in den jeweiligen EU-Mitgliedstaaten bzw. in den Regionen der EU gibt es nationale, regionale oder lokale Förderausschreibungen.
  • Gefördert werden nationale, regionale und lokale Projekte und Investitionen in allen EU-Mitgliedsaaten.
  • Eine Förderung von einzelnen Unternehmen und Organisationen ist möglich, teilweise werden auch Einzelpersonen gefördert. Zudem gibt es auch im Bereich der „Nationalen Förderfonds“ die Förderung von Kooperationsprojekten mit einem Konsortium bestehend aus verschiedenen Partnerorganisationen.
  • Die Antragstellung erfolgt in der jeweiligen Landessprache.
  • Für diese Säule stehen in den Jahren 2021 bis 2027 ca. 1.435,3 Mrd. Euro zur Verfügung. 737,5 Mrd. Euro davon stammen aus dem Corona Sonderfonds „Next Generation EU“. Die jeweiligen Anteile der einzelnen EU-Mitgliedstaaten an diesem Gesamtbudget werden bereits vor Beginn der jeweils siebenjährigen EU-Förderperioden, aktuell von 2021 bis 2027, festgelegt.

Wie nutze ich diese Struktur?

Die Einteilung in die drei Fördersäulen ist eine vereinfachte Darstellung des EU-Fördersystems. Es gibt Graubereiche und EU-Fördermittelexpert:innen können in jedem Bereich Ausnahmen von der hier skizzierten Regel benennen. In der Praxis ist die Abgrenzung bzw. Zuordnung der Förderprogramme zu den drei Bereichen nicht immer zu 100 Prozent möglich und zutreffend. Für die meisten Förderprogramme der EU ist die dargestellte Grundstruktur aber gültig und hat sich als sehr hilfreich erwiesen.

Überlegen Sie daher zuerst, in welchem dieser drei Bereiche Ihre Projektidee angesiedelt sein könnte, bevor Sie die detaillierte Suche nach einem passenden Förderprogramm starten. Sie werden schnell merken, dass Sie so systematischer, schneller und erfolgreicher suchen.

Nützliche Links und weitere Informationen

Haben wir Ihr Interesse an dem Thema EU-Fundraising geweckt? Die EU hält viele Möglichkeiten für Sie bereit, um Ihre Aktivitäten in Europa mitzufinanzieren. Zusätzliche Tipps u. a. zum Thema EU-Förderung finden Sie hier. Wo sie am besten mit Ihrer Fördermittelrecherche beginnen, können Sie hier nachlesen.

Weitere hilfreiche Artikel und Tipps finden Sie in diesem upgrade2europe Lern-Tool, in unseren Lernvideos und in unserem upgrade2europe Handbuch. Im Handbuch finden Sie zudem eine Einführung in das Tool „Logical Framework Approach“, dem Standardwerkzeug für die Entwicklung von EU-Projekten, insbesondere für Förderprojekte aus der ersten und zweiten oben vorgestellten Säule. Wenn Sie möchten, können Sie mit Hilfe unseres Selbstanalyse-Tools sofort online überprüfen, inwieweit Ihre Organisation gut aufgestellt für Europa ist.

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