Europäische und globale Standards und Normen

Europäische und globale Standards und Normen sind in der Regel technische Vorschriften und Leitlinien, die überwiegend von internationalen Organisationen festgelegt werden, um bestimmte Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren zu regulieren oder zu harmonisieren. Sie dienen dazu, die Qualität und Sicherheit von Produkten und Dienstleistungen und ein einheitliches Leistungsniveau zu gewährleisten.

Europäische Standards werden von der Europäischen Union (EU) oder von Europäischen Normungsorganisationen (siehe unten) festgelegt und gelten in allen Mitgliedstaaten der EU. Globale Standards werden von internationalen Organisationen festgelegt und gelten weltweit. Die bekannteste internationale Organisation in diesem Bereich ist die Internationale Organisation für Normung (ISO).

Bedeutung von Standards und Normen

Wenn Sie in Europa oder international aktiv sind, dann ist es wichtig, sich über wichtige Standards oder Normen zu informieren. Häufig sind Sie bereits im nationalen Kontext an die Einhaltung einschlägiger Normen gebunden, weil diese Eingang in nationale Gesetzte oder Vorschriften gefunden haben. Das gilt jedoch nicht in jedem Fall. Es gibt relevante Themenbereiche, in denen internationale Standards als Leitlinien formuliert sind, die eine große Anzahl der Akteure im internationalen Umfeld beachten.

Europäische und globale Standards und Normen sind wichtige Rahmenbedingungen für Ihre internationalen Aktivitäten. Sie ermöglichen einerseits eine bessere internationale Kooperation, weil sie gewissermaßen als gemeinsame „Sprache“ von vielen Akteuren verstanden und angewendet werden. Gleichzeitig reglementieren sie – oftmals unterhalb der Schwelle strikterer gesetzlicher Regulierung – bis zu einem gewissen Grad den Handlungsspielraum auf dem europäischen Spielfeld und darüber hinaus.

Aufgrund der Relevanz, die insbesondere professionelle Projektmanagementmethoden für einen Europäisierungsprozess haben, wird das Thema „international anerkannte Projektmanagementmethoden“ in einem separaten Artikel behandelt. Sie finden diese Informationen hier .

Europäische Säule sozialer Rechte

Die europäische Säule sozialer Rechte soll dazu beitragen, den sozialen Zusammenhalt in der EU zu stärken und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Sie ist ein Rahmenwerk von sozialen Rechten und Leistungen, das von der Europäischen Union (EU) im Jahr 2017 verabschiedet wurde.

In der europäischen Säule sozialer Rechte werden Mindeststandards für soziale Rechte formuliert, die in allen Mitgliedstaaten der EU gelten sollen, um einen hohen Schutz sozialer Rechte in der EU sicherzustellen. Sie umfasst 20 Grundprinzipien, die in den Bereichen Arbeit, Gesundheit, Wohnen, Bildung und Inklusion angesiedelt sind und beinhaltet eine Liste von konkreten sozialen Rechten, die in allen Mitgliedstaaten der EU gewährleistet werden sollen, wie beispielsweise das Recht auf eine angemessene Entlohnung, das Recht auf Gesundheitsversorgung, das Recht auf Bildung und das Recht auf Wohnen.

ESG-Kriterien (Environment, Social, Governance)

ESG steht für Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) und bezieht sich auf die Kriterien, anhand derer Organisationen ihre Leistungen im Hinblick auf Nachhaltigkeit und gesellschaftliche Verantwortung bewerten. Diese Kriterien umfassen Aspekte wie Umweltauswirkungen, soziale Auswirkungen auf Mitarbeiter:innen sowie die Qualität der Unternehmensführung und deren Transparenz.

ESG wird für Organisationen aus mehreren Gründen immer wichtiger:
  • Risikomanagement: Organisationen, die ESG-Kriterien ignorieren, sind anfälliger für Umweltkrisen, rechtliche Probleme und Reputationsschäden.
  • Investoren und Finanzierung: Investoren:innen legen zunehmend Wert auf nachhaltige Praktiken und bevorzugen Unternehmen, die ESG ernst nehmen. Der Zugang zu Finanzierung und Kapital wird durch ESG-Konformität erleichtert.
  • Markt- und Kundenanforderungen: Verbraucher:innen bevorzugen Produkte und Dienstleistungen von Unternehmen, die soziale und umweltbewusste Praktiken unterstützen. ESG kann Ihre Markenreputation und Kundenbindung stärken.
  • Regulatorische Anforderungen: Immer mehr Regulierungsbehörden verlangen Transparenz und die Berichterstattung über ESG-Faktoren, was Organisationen dazu veranlasst, diese Aspekte in ihre Geschäftsstrategie zu integrieren.

Insgesamt ist das Thema ESG von wachsender Bedeutung, da es nicht nur ethisches Handeln dokumentiert, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bietet, indem es Organisationen widerstandsfähiger macht, ihr Risikoprofil verbessert und langfristiges Wachstum fördert.

In der EU sind die ESG-Kriterien eng mit der sog. EU-Taxonomie verknüpft. Dies ist ein wichtiges Instrument der Europäischen Union zur Klassifizierung von wirtschaftlichen Aktivitäten hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit. Die EU-Taxonomie soll zudem dazu beitragen, Investitionen in Projekte und Aktivitäten, die zur Erreichung der Ziele des European Green Deals notwendig sind, zu erhöhen.

Sustainable Development Goals – SDGs

Die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals – SDGs) sind eine Reihe von 17 globalen Entwicklungszielen, die von den Vereinten Nationen im Jahr 2015 verabschiedet wurden. Sie dienen als Leitlinien für die internationale Entwicklungspolitik und sollen dazu beitragen, Armut, Hunger und Ungerechtigkeit zu bekämpfen und gleichzeitig die natürlichen Ressourcen der Erde zu schützen.

Die SDGs haben das Ziel, die Lebensbedingungen für Menschen auf der ganzen Welt zu verbessern und eine nachhaltige Entwicklung zu fördern. Die SDGs umfassen 17 Ziele und 169 Unterziele, die in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft, Umwelt und Frieden angesiedelt sind. Sie sollen bis zum Jahr 2030 erreicht werden.

Die Bedeutung der SDGs für Organisationen in Europa nimmt stetig zu. Zum Beispiel wird in immer mehr EU-Förderanträgen explizit nach dem Beitrag der beantragten Projekte zu den 17 globalen Entwicklungszielen gefragt.

Kompetenzen und Qualifikationen

In der EU und global gibt es diverse Instrumente, mit denen Kompetenzen und Qualifikationen vergleichbar gemacht oder gemessen werden können. Nicht nur für Bildungseinrichtungen bieten diese Instrumente eine willkommene Orientierung.

Die Internationale Standardklassifikation der Berufe ist eine der wichtigsten internationalen Klassifikationen, für die die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) verantwortlich ist. Die ISCO ist ein Instrument zur Einteilung von Berufen in klar definierte Gruppen entsprechend den Aufgaben und Pflichten, die mit dem jeweiligen Beruf verbunden sind.

ESCO ist die mehrsprachige europäische Klassifikation für Fähigkeiten, Kompetenzen, Qualifikationen und Berufe. Durch die Bereitstellung einer gemeinsamen Referenzterminologie hilft ESCO die Kommunikation zwischen der Arbeitswelt und der Welt der allgemeinen und beruflichen Bildung zu verbessern.

Das vom Europäischen Komitee für Normung (CEN, siehe unten) entwickelte e-Competence Framework klassifiziert 41 Kompetenzen für IKT-Fachleute. Er schafft in diesem Sektor eine gemeinsame Sprache für Kompetenzen, Fertigkeiten und Leistungsniveaus in ganz Europa. Die Kompetenzen im e-CF sind in fünf IKT-Bereichen geordnet und mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR; siehe unten) verbunden. Der e-CF ist eine wichtige Quelle für die Weiterentwicklung von ESCO (siehe oben).

Der Europäische Qualifikationsrahmen macht die beruflichen Qualifikationen und Kompetenzen in Europa vergleichbar. Er definiert insgesamt acht Bildungsniveaus, die das gesamte Spektrum möglicher Bildungsergebnisse abdecken – von grundlegenden allgemeinen Kenntnissen und Fertigkeiten (Stufe 1) bis zur Beherrschung eines hoch spezialisierten Wissensgebiets (Stufe 8). Das upgrade2europe Curriculum wurde auf der Grundlage des Europäischen Qualifikationsrahmens erarbeitet und steht hier zum Download bereit. Dieses Dokument enthält weitere Informationen zum EQR.

Als europäisches Leistungspunktesystem für die Berufsbildung wird ein System zur Ansammlung, Übertragung und Anrechnung von Leistungspunkten in der beruflichen Aus- und Weiterbildung bezeichnet. ECVET, das von der Europäischen Kommission initiiert wurde, zielt darauf ab, Transparenz, Mobilität und Durchlässigkeit über Ländergrenzen hinweg sowie zwischen den Bildungsbereichen zu fördern. Kompetenzen, die Lernende in einem Bereich der beruflichen Bildung erwerben, sollen bewertet und dokumentiert werden, um auch in einem anderen Bildungskontext anerkannt zu werden.

Der Europäische Referenzrahmen für unternehmerische Kompetenzen (EntreComp) der EU definiert 15 unternehmerische Kompetenzen. Diese umfassen Kreativität, Risikobereitschaft, Problemlösungsfähigkeiten und andere Fertigkeiten, die zur Förderung unternehmerischen Denkens und Handelns in verschiedenen Bereichen dienen, von Bildung bis hin zur Arbeitswelt. EntreComp ist damit ein Leitfaden zur Entwicklung und Bewertung unternehmerischer Fähigkeiten.

Das Digital Competence Framework der EU ist ein Instrument zur Beschreibung digitaler Kompetenzen. Es definiert Fähigkeiten in fünf Bereichen: Informationen und Daten, Kommunikation und Zusammenarbeit, Erstellung von digitalen Inhalten, Sicherheit sowie Problemlösung. DigComp unterstützt die Entwicklung und Bewertung digitaler Fähigkeiten für Menschen jeden Alters und in verschiedenen Kontexten.

ISO , CEN, CENELEC und ETSI

Eine Fundgrube für weltweit oder in Europa relevante Standards und Normen sind die bekanntesten Organisationen in diesem Bereich.

Die wichtigste Organisation weltweit ist die Internationale Organisation für Normung. Die ISO ist eine unabhängige internationale Organisation, die Normen für die Industrie, Technik und das Wirtschaftsleben entwickelt und veröffentlicht. Sie wurde im Jahr 1947 gegründet und hat ihren Sitz in Genf (Schweiz). Die Organisation hat derzeit in über 160 Ländern Mitglieder.

Die ISO ist dafür bekannt, dass sie Normen für eine Vielzahl von Bereichen entwickelt, darunter Qualitätsmanagement, Umweltmanagement, Sicherheitsmanagement und vieles mehr. Die Normen der ISO sind freiwillig, aber sie werden oft von Regierungen, Unternehmen und anderen Organisationen als Vorgaben für ihre Tätigkeiten und Produkte verwendet. Die ISO ist bestrebt, die Zusammenarbeit zwischen Nationen und die Effizienz von Prozessen und Produkten zu fördern, indem sie global einheitliche Standards und Normen entwickelt.

Viele ISO-Normen werden auch in der EU angewendet. Um sich einen umfassenden Überblick zum Thema Standards und Normen innerhalb der EU zu verschaffen, sollten Sie sich zudem mit den drei zentralen EU-Akteuren in diesem Bereich beschäftigen: CEN, CENELEC und ETSI.

Das Europäische Komitee für Normung ist eine europäische Organisation, die Standards für Produkte, Dienstleistungen und Systeme entwickelt, um Interoperabilität, Sicherheit und Effizienz in verschiedenen Branchen zu fördern.

Das Europäische Komitee für elektrotechnische Normung ist ein europäisches Gremium, das Standards für den Bereich Elektrotechnik entwickelt, um deren Sicherheit, Interoperabilität und Konformität in Europa zu gewährleisten.

Das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen ist eine Organisation, die europäische bzw. globale Standards für die Bereiche Telekommunikation und Informationstechnologie entwickelt, um Interoperabilität und Innovation in diesen Branchen zu fördern.

Nützliche Links und weitere Informationen

Im Zuge Ihrer Europäisierungsaktivitäten sollten Sie sich einen umfassenden Überblick zu den in Ihrem Bereich gültigen Standards und Normen verschaffen.

Weitere hilfreiche Artikel und Tipps finden Sie in diesem upgrade2europe Lern-Tool, in unseren Lernvideos und in unserem upgrade2europe Handbuch. Im Handbuch finden Sie zum Beispiel eine Einführung in die sogenannte PESTLE-Analyse, mit der Sie die externen Rahmenbedingungen Ihres Europäisierungsprozesses in sechs Bereichen systematisch analysieren können. Eine Bewertung der Chancen und der Risiken, die sich aus bestehenden bzw. zukünftig zu erwartenden Standards und Normen ergeben, ist ein wichtiger Teilaspekt der PESTLE-Analyse. Wenn Sie möchten, können Sie mit Hilfe unseres Selbstanalyse-Tools sofort online überprüfen, inwieweit Ihre Organisation gut aufgestellt ist für Europa.

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