Interkulturelle Kompetenzen für Ihren Erfolg in Europa

Sobald Sie beginnen, in einem internationalen Kontext zu arbeiten oder wenn Sie sich und Ihr Team darauf vorbereiten möchten, kommt das Thema interkulturelle Kompetenzen ins Spiel. Kurz gesagt ist interkulturelle Kompetenz die Fähigkeit, effektiv mit Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund zusammenzuarbeiten. Es klingt einfach – so, als ob man nur eine weitere Fähigkeit erwerben muss. Interkulturelle Kompetenz ist aber mehr. Sie vereint eine Reihe von Einstellungen, Kenntnissen und sozialen Fähigkeiten, die es ermöglichen, über die begrenzenden Muster der eigenen Kultur hinauszugehen, so dass die Begegnung mit einer anderen Kultur nicht als Bedrohung, sondern als Chance für das persönliche Wachstum, das des Teams und der Organisation gesehen wird.

Interkulturelle Kompetenz erfordert:
  • ein Bewusstsein für den eigenen kulturellen Hintergrund, der als eine Reihe gemeinsamer Werte, akzeptierter Normen, Überzeugungen und Stereotypen verstanden wird, und deren Auswirkungen auf die Interaktion mit Menschen, die als anders wahrgenommen werden;
  • die Haltung eines kulturellen Relativismus im Umgang mit Vertreter:innen anderer Kulturen;
  • die Fähigkeit, das Wissen über kulturelle Unterschiede bei der Interaktion mit Menschen zu berücksichtigen.

Bewusstsein für den eigenen kulturellen Hintergrund

Kein Mensch hat Zugang zur objektiven Realität. Wir nehmen die Welt durch unsere kognitiven Filter wahr, die durch den kulturellen Hintergrund, die Werte, Normen und Überzeugungen geprägt sind, die wir mit Menschen teilen, die in derselben Kultur verwurzelt sind. Unsere Filter werden beeinflusst durch die Zeit, in der wir geboren wurden (unsere Generation), unsere Herkunftsfamilie, bedeutende Menschen, die uns während des Aufwachsens umgeben haben (Lehrer:innen, Freundschaften), Geschlechtsidentität, ethnische Zugehörigkeit, die soziale Gruppe, Zugehörigkeit zu einer Mehrheits- oder Minderheitsgruppe, Religion, Region (wobei nicht nur geografische Unterschiede, sondern auch die Zugehörigkeit zu städtischen oder ländlichen Gebieten zu berücksichtigen sind), Art der Ausbildung, die wir absolvieren durften, Gruppen, Organisationen und Verbände, denen wir angehörten, soziale Erfahrungen (einschließlich des Kontakts mit anderen Kulturen oder des Fehlens solcher Erfahrungen), berufliche Laufbahn, Erfolge und Misserfolge im Leben, die unsere Identität geprägt haben.

Interkulturelle Kompetenz ist die Selbstreflexion über den eigenen Hintergrund und das Verständnis dafür, wie er sich auf die Interaktion mit Menschen aus anderen Kulturkreisen auswirkt.

Haltung eines kulturellen Relativismus

Die oben erwähnten kognitiven Filter sind wie Kontaktlinsen, die so leicht und bequem sind, dass Sie vielleicht nicht merken oder vergessen, dass Sie sie tragen – insbesondere, wenn man in einem kulturell homogenen Land lebt. Menschen ohne interkulturelles Bewusstsein denken nicht selten, dass „ihre Welt“ die richtige ist und die anderen falsch liegen. Ihre Werte sind die richtigen und andere sind falsch. Ihre Kultur ist besser und andere sind schlechter. Wenn man uns bitten würde, eine Weltkarte zu zeichnen, würden die Länder, in denen wir leben, wahrscheinlich in der Mitte liegen. Für die meisten Menschen ruft der Blick auf eine Weltkarte, die von Bewohner:innen anderer Kontinente erstellt wurde, befremdliche Gefühle hervor. Die eigene Kultur in den Mittelpunkt zu stellen und den Rest der Welt an die Peripherie, ist das Wesen des Ethnozentrismus. Ethnozentrismus ist eine Haltung, die sich in der Überzeugung ausdrückt, dass die eigene Kultur der Bezugspunkt für die Beschreibung und Bewertung der Kulturen anderer ist. Mit einem solchen Ballast ist es naheliegend, unbewusste Voreingenommenheit und eine geringschätzende Art der Kommunikation mit Vertreter:innen anderer Kulturen zu pflegen.

Das Gegenteil von Ethnozentrismus ist Kulturrelativismus. Kulturrelativismus bedeutet, die Vielfalt und Besonderheit der Kulturen wahrzunehmen, zu akzeptieren und keine Bewertung vorzunehmen. Diese Haltung führt dazu, die Handlungs-, Denk- und Erlebnisweisen von Menschen aus anderen Kulturkreisen hinsichtlich ihrer Werte, Bedeutungen und spezifischen Regeln zu verstehen. Kulturrelativismus erfordert eine Haltung der Offenheit, der Neugier, des Respekts und der Entdeckung, die zur Toleranz von Mehrdeutigkeit beiträgt.

Fähigkeit , das Wissen über kulturelle Unterschiede bei der Interaktion mit Menschen zu berücksichtigen

Es ist wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass die Menschen, mit denen wir arbeiten, kulturell geprägt sind. In der Zusammenarbeit mit Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund ist es gut, die kulturellen Unterschiede zu erkunden und zu thematisieren. Auf diese Weise werden Missverständnisse vermieden. Wahrscheinlich identifizieren wir uns selbst nicht vollständig mit dem Mainstream-Bild unseres Kulturkreises und sollten dies auch bei anderen berücksichtigen. Aus diesem Grund sollten wir unserem Gegenüber auf einer persönlichen Ebene begegnen. Um nicht in Stereotypen zu verfallen, erfordert interkulturelle Kompetenz u. a. die folgenden Fähigkeiten: aktives Zuhören, Beobachten, Analysieren, Einfühlungsvermögen, um die Perspektive der anderen Person einzunehmen, sowie das Anpassen des Kommunikationsstils für eine möglichst reibungslose Kommunikation.

Nützliche Links und weitere Informationen

Diese einführenden Informationen können nur ein erster Schritt sein, sich dem Thema interkulturelle Kompetenzen im Rahmen Ihrer grenzüberschreitenden Arbeit in Europa zu nähern. Wir empfehlen Ihnen daher zur Vertiefung die Lektüre des Kapitels „Interkulturelle Kompetenzen“ aus INCLUDE. Inklusive Führung im digitalen Zeitalter. Handbuch für Leader und alle, die es werden wollen ab Seite 403.

Weitere hilfreiche Artikel und Tipps finden Sie in diesem upgrade2europe Lern-Tool, in unseren Lernvideos und in unserem upgrade2europe Handbuch. Im Handbuch finden Sie zudem eine Einführung in das Thema Personalentwicklung, in dem u. a. auch die Relevanz interkultureller Kompetenzen im Verlauf eines Europäisierungsprozesses thematisiert wird. Wenn Sie möchten, können Sie mit Hilfe unseres Selbstanalyse-Tools sofort online überprüfen, inwieweit Ihre Organisation gut aufgestellt für Europa ist.

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